Senior Talent Management und Karriere Coaching – Interview mit Mandana Magharai

In diesem Interview spreche ich mit Wirtschaftspsychologin Mandana Magharai über ihren Karriereweg, die Vorteile davon, bei einem Mentoring Programm mitzumachen, sowie ihre Tipps und Ratschläge für Psychologie Studierende und alle, die ihre beruflichen Träume verwirklichen möchten.

Johanna: Mandana, du bist Senior Talent Management Specialist bei der Erste Group. Möchtest du genauer erzählen, wie deine Arbeit aussieht?

Mandana: Sehr gerne. In der Erste Group haben wir ein eigenes Talent Management Office, das verantwortlich ist für die Fortbildung von internen Talenten. Das gibt es lokal, also z.B. nur für Österreich, und auch international. Wir sind verantwortlich für die ganze Group, das heißt in unseren Gruppen sind internationale Kolleg*innen, die von ihren Manager*innen jedes Jahr für drei verschiedene Pools nominiert werden können. Ich bin für den Pool für angehende Manager*Innen verantwortlich.

Johanna: Wie lange arbeitest du schon in dem Bereich?

Mandana: Im September sind es 3 Jahre und einmal im Jahr gibt es Assessment Center. Die Personen die dabei genommen werden sind dann 5 Jahre lang Mitglieder in dem International Talent Pool und können an speziellen Programmen teilnehmen, zum Beispiel gibt es Kooperationen mit Universitäten, Online Trainings, Female Leadership Programme, Coaching und so weiter.

Johanna: Das klingt sehr spannend! Und wie war dein Weg, der dich dorthin geführt hat?

Mandana: Das Psychologiestudium war nicht von Anfang an klar, ich habe mir einfach alle Studien, die ich gerne hatte, aufgeschrieben, meine Augen 10 Minuten, bevor ich das Haus verlassen habe für die Inskription zugemacht, und habe blind ein Studium ausgewählt – und es war Psychologie. Im ersten Jahr habe ich noch Anglistik und Publizistik dazu gemacht, aber das war mir dann zu viel. Im ersten Abschnitt habe ich mich auf Psychiatrie spezialisiert, habe mich dann aber umorientiert. Wirtschaftspsychologie war dann genau das Richtige für mich.

Johanna: Ich habe mir während des Studiums auch mehrere Bereiche angeschaut. Das heißt, du hast Psychologie studiert und dich dann für die Wirtschaftspsychologie entschieden. Wie ist es danach weitergegangen?

Mandana: Ich habe relativ lange studiert, aber ich finde die Studienzeit ist die beste Zeit, um sich von mehreren Bereichen ein Bild zu machen. Ich habe in viele verschiedene Unternehmen reingeschnuppert und habe zum Beispiel am Theater an der Wien und bei der Schoellerbank gearbeitet. Man lernt viele Leute kennen und das ist auch fürs spätere Berufsleben super.

Johanna: Da ist das Studium wirklich die richtige Zeit dafür.

Mandana: Mein erster richtiger Job nach dem Studium war dann bei einer Firma, die Austauschprogramme zwischen amerikanischen und österreichischen Universitäten organisiert hat. Nachdem ich anschließend sieben Jahre bei SAP war, habe ich eine Trainerausbildung und eine Ausbildung in Arbeitsrecht gemacht und bin dann bei Wolf Theiss gelandet, wo ich für die Personalentwicklungen und Evaluierungen verantwortlich war.

Johanna: Und jetzt bietest du auch Karriere Coaching an?

Mandana: Ja, mir wurde eine Ausbildung zum Psychologischen Coach bei Vera Popper und Christine Hoffmann empfohlen. Das war wirklich toll, da der Großteil der Teilnehmer*innen dort Psycholog*innen waren und man am gleichen Wissensstand war. Ich coache jetzt zum Beispiel Menschen, die nach der Uni nicht genau wissen, was sie machen sollen oder Karriere wechseln wollen. Ich erarbeite unter anderem mit Ihnen, wie sie sich richtig bewerben, schaue mir ihren Lebenslauf an und berate sie dazu.

Johanna: Ich habe das während des Studiums nie in Anspruch genommen, erst danach hat mich jemand auf die Idee gebracht, zu einem Karriere Coaching zu gehen. Ich glaube, dass viel zu wenige Leute solche Angebote aktiv aufsuchen, wobei es sicher während des Studiums schon hilfreich gewesen wäre.

Mandana: Genau, es gibt zum Beispiel von der Uni Wien eine Karriereberatung im alten AKH und von der ÖH gibt es auch etwas. Außerdem gibt es das Alma Mentoring Programm für AbsolventInnen der Uni Wien, dort bin ich auch Mentorin.

Johanna: Ich denke es ist sehr hilfreich, jemanden zu haben, der schon länger im Berufsleben steht, den man um Rat fragen kann. Welchen Schwerpunkt hatte denn deine Coaching Ausbildung?

Mandana: Meine Coaching Ausbildung hatte einen hypnosystemischen Schwerpunkt. Das bedeutet, man arbeitet mit dem Ansatz, dass das Unterbewusstsein der Menschen meist die Lösungen enthält, nach denen sie suchen. Es waren auch Embodiement-Ansätze dabei.

Johanna: Kannst du noch mehr darüber erzählen, welche Menschen zu dir ins Coaching kommen? Gibt es Fragestellungen, die dir immer wieder begegnen?

Mandana: Ich habe letztes Jahr im Sommer mein Gewerbe angemeldet für Unternehmensberatung, spezialisiert auf Personal. Durch Mundpropaganda kamen dann ein paar Leute zu mir, die Problemstellungen waren vor allem Jobsuche. Eine Klientin zum Beispiel ist zwischen zwei Jobangeboten geschwankt, und kam ins Coaching wegen Unterstützung bei der Entscheidungsfindung. Es geht aber auch manchmal um Kommunikation, wie man z.B. im Mitarbeitergespräch seine Anliegen gut präsentieren und durchsetzen kann. Meine Talents in der Arbeit habe ich auch gecoacht, z.B. wie sie mit Veränderungen im Management umgehen, hinsichtlich Kommunikationsstil, wie man sich präsentiert, bezüglich des Lebenslaufs und so weiter.

Johanna: Bist du international auch noch tätig?

Mandana: Ich sitze in Wien, weil das Headquarter in Wien ist, die internationalen Kolleg*innen kommen eher zu uns. Aber es ist allgemein sehr international und die Arbeitssprache ist Englisch. Was das Coaching betrifft, das würde ich auch auf Englisch anbieten.

Johanna: Wie viele Stunden nehmen deine Klient*innen denn meist in Anspruch?

Mandana:Meist eine bis zwei, beim Karriere Coaching geht es nicht darum, in die Tiefe zu gehen und z.B. Glaubenssätze aufzulösen. Sondern es ist kurzfristig und lösungsorientiert, eine Mischung aus Coaching und Beratung.

Johanna: Hast du für derzeitige Psychologiestudierende einen Ratschlag aus deinem Erfahrungsschatz?

Mandana: Ich würde ganz selbstbewusst reingehen in die Ausbildung und praktische Erfahrung sammeln, so viele Praktika oder Jobs wie möglich machen. Jede Arbeitserfahrung ist hilfreich. Und mit Menschen Kontakt halten, sich auch ein LinkedIn oder Xing Profil machen, bei dem Mentoring Programm der Uni Wien einen Mentor/eine Mentorin suchen, das ist auch fürs Connecten sehr hilfreich.

Tipp

Johanna: Den Punkt selbstbewusst ins Studium reinzugehen finde ich auch sehr wichtig, ich habe damals auch öfter gehört, dass die Jobchancen als Psychologin so schlecht seien und ich dann ohnehin etwas anderes arbeiten werde müssen. Ich denke, man darf sich nicht abschrecken lassen, seinen Herzensweg zu gehen. Wenn man das möchte, seinen Weg geht und sich auch reinhängt, ergeben sich die Möglichkeiten dann auch.

Mandana: Ich denke auch, sich mit Leuten zu umgeben, die einen pushen und schätzen was man macht, ist wichtig. Ich war zu meiner Studienzeit mit vielen Jurist*innen befreundet und habe später oft mit Kolleg*innen aus Deutschland gearbeitet, die fanden es alle sehr spannend, dass ich Psychologie studiert habe.

Johanna: Wichtig ist jedenfalls, seinen eigenen Weg zu gehen und sich des eigenen Werts und des Werts der umfangreichen Ausbildung(en), die man absolviert hat, bewusst zu sein. Wie kann man dich finden, wenn man mit dir Kontakt aufnehmen oder ein Coaching bei dir machen möchte?

Mandana: Ja sehr gerne. Ich bin einerseits Mentorin bei Alma von der Universität Wien, wo man mich anschreiben kann, oder via LinkedIn. Bei Fragen zu Bewerbungen, dem Lebenslauf oder Ähnlichem kann man mich gerne kontaktieren!

Hör dir das gesamte Interview auch in meinem Podcast Perfect Imperfections auf Spotify an!

 

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