Selbstliebe und Akzeptanz – Interview mit Unternehmerin und Coach Alisa Eresina

In diesem Interview spreche ich mit Alisa Eresina über die Bedeutung des weiblichen (Lebens-)Zyklus, wie wir diesen bewusst für uns nutzen können, Akzeptanz und Selbstliebe und die Integration von Körper und Psyche. Außerdem sprechen wir über Alisas Erfahrungen mit Depression, darüber welche tools und Techniken ihr geholfen haben, diesen Zustand zu verändern sowie das Gefühl des „Ausgeliefert-Seins“ zu bewältigen und sich zu der Frau zu entwickeln, die sie heute ist.

Johanna: Alisa, wir haben uns 2018 kennen gelernt, als ich bei einer Masterclass zum Thema „Master Doubt and Fear“ von dir teilgenommen habe. Danach hast du mich 1 Jahr lang als Mentorin begleitet. Du bist Unternehmerin und Coach und arbeitest vor allem mit Frauen, aber auch mit Unternehmen, kannst du mehr darüber erzählen?

Alisa: Wenn ich die Frage bekomme „Was machst du?“, finde ich es immer schwierig präzise und klar zu antworten, denn es gibt relativ viele Sachen. Am einfachsten ist es damit zu beschreiben, dass ich es aus tiefstem Herzen liebe Räume für andere zu schaffen, wo Menschen sich selber kennenlernen und über ihre Grenzen hinauswachsen dürfen. Diese Räume können ganz unterschiedlich aussehen, zum Beispiel Masterclasses oder Workshops, Coaching Programme oder mein I am: Enough Podcast.

Johanna: Schön gesagt! Mir ist auch aufgefallen, dass du, bei allem was du machst, nicht nur auf der kognitiven Ebene arbeitest, sondern auch den Körper, Emotionen und Energie miteinbeziehst. Ich bin aus jeder unserer Mentoring Sessions mit Energie rausgegangen und habe richtig gespürt, dass sich etwas verändert hat.

Alisa: Das freut mich wahnsinnig, dass du es so empfunden hast! Ich denke es geht genau darum. Wir sind so oft im Kognitiven, besuchen Workshops und Präsentationen. Mehr Information führt aber nicht immer zu mehr Veränderung, sondern erst, wenn wir es wirklich in uns spüren, erst dann kann dieser Shift passieren und ist keine Idee mehr, die irgendwo herumschwirrt.

Johanna: Du arbeitest auch mit Frauen zu typisch weiblichen Themen, zum Beispiel Sexualität oder Menstruation, kannst du darüber mehr erzählen?

Alisa: Ich bin in der Persönlichkeitsentwicklungsschiene schon relativ lange unterwegs, das Thema Zyklus war – wie bei vielen Frauen – lange Zeit nicht auf meiner Prioritätenliste. Wie man sein Potential entfaltet hat mich aber schon immer begeistert. Vor ein paar Jahren wurden während meiner Yoga Ausbildung zum ersten Mal meine Augen für dieses Thema geöffnet. Ich habe dann viel über den weiblichen Körper gelernt und darüber, wie wir unseren Zyklus und unsere Weiblichkeit für mehr Kreativität, tiefere Selbstreflexion, Stressabbau etc. nutzen können. Der Zyklus ist ein „Werkzeug“ für uns Frauen zu wahrer Selbstliebe und Akzeptanz, so wie wir sind.

Johanna: Das ist eine wunderschöne Idee und ich werde mich definitiv genauer damit beschäftigen. Du bietest auch Techniken an, wie man die Blutung besser regulieren kann, dass diese kürzer ist oder man auf Tampons oder Monatsbinden verzichten kann?

Alisa: Genau, ich habe mehrere Formate, die ich anbiete. Das eine ist eine produktfreie Periode zu haben, die Signale des Körpers so gut zu spüren, dass man erkennen kann, wann der nächste Schub der Blutung kommt. Aber auch eine Masterclass mit dem Titel “Unlock the power of your female cycle“, wo es darum geht, mit den unterschiedlichen Zyklusphasen zu arbeiten und sie in den Alltag zu integrieren um mehr Harmonie, Liebe und Selbstvertrauen in sich zu schaffen.

Johanna: Du beschreibst auf deiner Website auch, dass du eine Zeit lang mit Depressionen gekämpft hast und dich daraufhin mehr mit Psychologie und Philosophie beschäftigt hast. Es würde mich interessieren, wie es damals zu dem Impuls kam, etwas anders machen zu wollen, was hat dir gefehlt und was hat dir damals geholfen?

Alisa: Wenn ich vom jetzigen Standpunkt darüber erzähle, fühlt es sich wie eine andere Version von mir an, ein anderes Leben. Im Endeffekt habe ich stark mit dem Leben und meinem Vertrauen gekämpft und habe viele Mechanismen entwickelt, um meinen Schmerz nicht zu fühlen. Irgendwann war der Schmerz so groß, dass ich mir nicht länger vorstellen konnte, so zu leben und wollte herausfinden, wie man anders leben kann. Ich habe damals klassisch Therapie gemacht und versucht, eine Liste abzuhacken von Dingen, von denen ich dachte, dass es zu einem glücklichen Leben führt. Auf dieser Reise habe ich gemerkt, dass sich in mir nicht viel verändert hat. Außerhalb schon – aber innerlich nicht. Das war die Einladung für mich, statt mich auf Äußerliches zu fokussieren, mehr nach innen zu schauen, wie ich mich von innen verändern kann. Das war der Sprung, wo ich für alles Mögliche offen war, wie nach Südostasien zu fahren. Da habe ich gemerkt, dass ich Werkzeuge habe, mich anders zu regulieren und der Situation nicht hoffnungslos ausgeliefert bin.

Johanna: Das mit den Werkzeugen ist ein guter Punkt, es ist extrem nützlich, sich eine „Werkzeugkiste“ aufzubauen, mit verschiedenen Techniken z.B. Morgen- und Abendroutine, Meditation… und festzustellen was bei einem wirkt und was nicht.

Alisa: Ja, und vor allem mit dem Körper zu arbeiten und nicht nur mit dem Kopf. Es ist wichtig hinzuschauen, woher der Schmerz kommt, aber ab einem gewissen Zeitpunkt ist das eine Erinnerung von einer Erinnerung, anstatt hier im Moment zu sein. Das ist das Faszinierende – wir haben alles, was wir brauchen, unser Körper ist das größte Werkzeug und Potential, das wir nützen können, um glücklich und erfüllt zu sein.

Johanna: Auch im Bereich der Sexualität ist es so.  Wenn jemand zum Beispiel Erektionsschwierigkeiten hat oder Schmerzen beim Sex sind Gespräche wichtig, solche Schwierigkeiten lassen sich aber vor allem auch durch Körperübungen gut beheben.

Alisa: Körper und Psyche sind ja auch nicht getrennt. Wir sind unsere Psyche und unser Körper, und Gedanken manifestieren sich auch im Körper. Same same but different, wie die Thais sagen würden, einfach eine andere Manifestation.  

Johanna: Mein Eindruck ist auch, dass Unternehmen dem Thema Gesundheitsförderung und -erhaltung gegenüber offener werden, zum Beispiel Yogaklassen im Unternehmen finanziert werden. Wie ist dein Eindruck?

Alisa: Auf einem größeren Ganzen haben wir auf jeden Fall mehr Bewusstsein über Body-Mind-Health und dass der Körper keine Maschine ist, das sieht man auch an New Work Bewegungen. Was ich persönlich glaube, ist, dass es oft auch eine Falle sein kann – ich schätze es sehr, dass wir die ersten Schritte machen, aber ich denke, es ist noch lange nicht genug. Für mich ist es wichtig, die Message, dass man als Arbeitgeber auch eine Verantwortung zum Planeten und zum Menschen hat, dass sie ihr bestmöglichstest Potential entfalten und ein glückliches Leben führen, weiterzutragen. Nicht nur dem Schein nach, um die Arbeitnehmer*innen glücklich genug zu halten – sondern sich wirklich darum zu kümmern.

Johanna: Ich würde gerne nochmal zum 1:1 Coaching zurückkommen, hast du bei den Frauen, die zu dir kommen, das Gefühl, dass es Themen gibt, die sich wiederholen, du einen Trend bemerkst?

Alisa: Es gibt sicher immer wieder Gemeinsamkeiten, die Themen Selbstbewusstsein oder Selbstvertrauen tauchen sehr oft auf. Das Sich-Etwas-Zutrauen, dass, egal was man vorhat oder machen möchte, es gut ist – und man seinen Weg gehen darf, das kommt immer wieder. Wie weit vertraut man sich selbst, seinem Weg und seinen Entscheidungen. Was sind denn Muster, die du erkennst?

Johanna: Eine Sache, die mir bei Frauen immer wieder auffällt, ist das „Hochstapler Syndrom“, die Angst sich zu blamieren oder das Bedürfnis immer noch weitere Zusatzausbildungen zu machen, aus der Angst etwas noch nicht richtig zu können oder in einem Bereich nicht gut genug“ zu sein.

Alisa: Das kenne ich gut. Es gibt auch einen Grund, warum ich das Podcast Thema „I am enough“ gewählt habe. Damit wir erkennen: Wir können wachsen, besser werden, mehr kreieren und schaffen aber nicht aus dem Gefühl „Ich bin nicht genug und muss was schaffen um mich genug zu fühlen“ heraus, sondern aus dem Gefühl heraus, dass man weiß, dass man perfekt ist mit den eigenen Fehlern, mit dem was man kann und nicht kann. Alles, was daraus entsteht ist fantastisch und man wächst als Mensch.

Johanna: Hast du einen Tipp für Frauen, was sie tun können um ihr Leben zu bereichern?

Alisa: Für mich ist das, was alles verbindet, zu Lernen sich selbst zu lieben und zu akzeptieren – mit den eigenen Unvollkommenheiten – und dieses Lernen eine Priorität zu machen. Voller Akzeptanz und Selbstliebe – ob man gerade etwas geschafft hat oder nicht, sich gerade selbstsicher fühlt oder nicht. Man findet schon seine Techniken und tools, wenn man sich erlaubt einmal hinzuschauen.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu. Datenschutzerklärung

de_DEDeutsch